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MH und BPH: Das schwedische System zur Beurteilung
des Verhaltens von Hunden

Wenn ein Test nicht die Zukunft vorhersagen will, sondern den Hund beschreibt, der vor ihm steht

Die Amerikaner versuchten, die Zukunft eines Welpen vorherzusagen. Die Schweden entschieden

sich dafür, die tatsächliche Persönlichkeit eines erwachsenen Hundes zu beschreiben. Und genau dieser Unterschied verändert alles. Klassische Welpentests versuchen, eine sehr ehrgeizige Frage zu beantworten:

„Wie wird sich dieser Hund entwickeln?“ Das schwedische System stellt dagegen eine vorsichtigere, aber zugleich präzisere Frage: „Wie reagiert dieser Hund jetzt – in konkreten, beobachtbaren Situationen?“

Weniger Kristallkugel. Mehr echter Hund.

MH: der ernsthafteste Ursprung … und der mit dem stärksten Bezug zu Arbeitshunden

Der MH (Mentalbeskrivning Hund) wurde in Schweden entwickelt, um das Verhalten erwachsener Hunde zu beschreiben, insbesondere von Arbeitsrassen. Der Hund durchläuft eine Reihe standardisierter Situationen: Kontakt mit einer fremden Person, Spiel, Verfolgung eines Objekts, unerwartete Geräusche, plötzlich auftauchende Reize, ungewöhnliche Personen und – bei einigen Varianten – sogar Schüsse.

Kurz gesagt: ein ziemlich intensiver Nachmittag. Nicht unbedingt der Lieblingsplan eines Toy-Pudels, der eigentlich an Sofa, Decke und Leckerchen gedacht hatte. Deshalb ist der MH aus historischer und fachlicher Sicht sehr interessant, aber nicht immer das am besten geeignete System für kleine Begleithunderassen. Was hat der MH eingeführt? Eine standardisierte Methode, um Angst, Neugier, Spielverhalten, emotionale Erholung und die Reaktion auf überraschende Situationen objektiv zu beurteilen.

BPH: die modernere Version – und näher am echten Alltag

Später entstand der BPH (Beteende- och Personlighetsbeskrivning Hund), ebenfalls in Schweden entwickelt.

Die Grundidee war ähnlich, der Ansatz jedoch breiter und für Hunde vieler verschiedener Rassen geeignet – nicht nur für Arbeitshunde.

Beim BPH wird beobachtet, wie sich der Hund gegenüber fremden Menschen verhält, ob er gerne spielt, wie er auf ungewöhnliche Gegenstände, unerwartete Geräusche oder neue Situationen reagiert und vor allem etwas besonders Wichtiges: Wie schnell er sich nach einer Überraschung wieder erholt. Denn es macht einen großen Unterschied, ob ein Hund sich kurz erschrickt und anschließend neugierig nachschaut – oder ob er beschließt, dass dieser verdächtige orangefarbene Verkehrskegel vermutlich für eine geheime Organisation arbeitet.

Das Interessanteste: Es gibt weder bestanden noch nicht bestanden

Eines der schönsten Merkmale des schwedischen Systems ist, dass es den Hund nicht als „gut“ oder „schlecht“ einstuft. Es beschreibt ihn. Nicht mehr … aber auch nicht weniger. Ein Hund kann sehr kontaktfreudig sein, wenig Interesse am Spielen zeigen, ausgesprochen neugierig sein, empfindlich auf Geräusche reagieren oder sich besonders schnell von einem Schreck erholen.

All das ist keine Bewertung, sondern ein Verhaltensprofil. Und genau das macht das System für eine verantwortungsvolle Zucht so wertvoll: Es ermöglicht, objektive Daten zwischen einzelnen Hunden, Zuchtlinien und Rassen zu vergleichen.

Warum wir dieses System so wichtig finden

Der BPH erinnert uns an etwas, das leicht vergessen wird: Charakter lässt sich nicht in einem einzigen Wort beschreiben.

Es reicht nicht zu sagen: „Er ist lieb“, „ängstlich“ oder „dominant“. Ein Hund kann vorsichtig und gleichzeitig neugierig sein. Empfindlich – und sich dennoch schnell von einem Schreck erholen. Fremden gegenüber eher zurückhaltend, aber insgesamt sehr sicher und ausgeglichen.

Genau diese feinen Unterschiede versucht das schwedische System sichtbar zu machen. Und das ist, wenn man einen Hund wirklich verstehen möchte, weit wertvoller, als ihm einfach ein schönes Etikett zu geben und es dabei zu belassen.

Was bewertet der BPH?

Der Hund durchläuft einen Parcours mit verschiedenen Alltagssituationen. Es gibt dabei keine richtigen oder falschen Reaktionen.

Die Richter beobachten lediglich, wie der Hund reagiert, wie schnell er sich wieder beruhigt und wie er mit jeder einzelnen Situation umgeht.

Primer contacto del cachorro con una persona desconocida durante el test de comportamiento

1. Kontakt mit einer fremden Person.

Eine Person, die der Hund noch nie gesehen hat, nähert sich ihm, spricht ihn an und versucht, ihn zu streicheln. Bewertet werden:

Interesse an Menschen; Vertrauen oder Misstrauen;

Leichtigkeit, mit der der Hund Kontakt aufnimmt.

Motivación por la comida durante el test de comportamiento del cachorro

3. Motivation durch Futter.

Dem Hund wird ein Leckerli angeboten. Bewertet werden:

Interesse am Futter;

Schnelligkeit bei der Entscheidungsfindung;

Sicherheit beim Annähern.

Reacción del perro ante un estímulo en movimiento durante el test de comportamiento

5. Unerwartetes Geräusch.

Plötzlich ertönt ein lautes Geräusch, meist ein metallischer Klang. Bewertet werden: die erste Reaktion des Hundes;

seine Fähigkeit, sich wieder zu beruhigen; ob er freiwillig zurückkehrt, um die Ursache des Geräusches zu untersuchen.

Reacción del perro ante superficies poco habituales durante el test de comportamiento

7. Verschiedene Untergründe.

Der Hund muss über ungewohnte Materialien laufen, zum Beispiel über eine Plane, ein Gitter oder einen instabilen Untergrund. Bewertet werden:

Sicherheit; Selbstvertrauen;

wie leicht er sich auf etwas Neues einlässt.

Invitación al juego durante el test de comportamiento del cachorro

2. Spielfreude

Der Hund wird dazu eingeladen, mit einem Spielzeug zu spielen. Bewertet werden:

Interesse am Spielen; Eigeninitiative;

Fähigkeit, die Interaktion aufrechtzuerhalten.

Reacción del cachorro ante un objeto inesperado durante el test de comportamiento

4. Unerwartetes Erscheinen eines Objekts. Plötzlich erscheint ein Gegenstand oder eine Figur, mit der der Hund nicht gerechnet hat. Bewertet werden: Stärke der Schreckreaktion; Neugier;

ob der Hund sich entscheidet, den Gegenstand zu untersuchen;

wie schnell er seine Ruhe wiederfindet.

Reacción del perro ante una figura extraña durante el test de comportamiento

6. Eine Person mit ungewöhnlichem Aussehen.

Eine Person mit ungewöhnlicher Kleidung oder auffälligem Erscheinungsbild tritt auf. Bewertet werden:

Vorsicht; Neugier;

Fähigkeit, sich an eine unbekannte Situation anzupassen.

Reacción del perro ante un ruido repentino durante el test de comportamiento

8. Geräuschempfindlichkeit. In einigen Versionen des BPH gehört auch ein Test mit einem lauten Geräusch zum Ablauf. Entscheidend ist dabei nicht, ob der Hund erschrickt – die meisten tun das.

Bewertet werden: wie lange der Schreck anhält; ob der Hund schnell wieder zur Ruhe kommt; ob er anschließend seine Umgebung wieder ganz normal erkundet.

Und was passiert danach?

Wie jedes wissenschaftliche System wird auch das BPH-Protokoll regelmäßig überprüft und weiterentwickelt, um neue Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung zu berücksichtigen und die Genauigkeit der Beurteilungen zu verbessern. Doch der eigentlich interessante Teil beginnt erst, wenn der Parcours beendet ist. Der Hund hat verschiedene Situationen erlebt. Er hat gespielt, sich erschrocken, untersucht, sich wieder beruhigt … und was passiert jetzt? Die Richter beschränken sich nicht darauf, „bestanden“ oder „nicht bestanden“ zu sagen. Jede Reaktion wird nach einem standardisierten Protokoll dokumentiert und in ein Verhaltensprofil übertragen. Bewertet werden unter anderem die Intensität jeder Reaktion, die Geschwindigkeit der Erholung, die Neugier, das Selbstvertrauen sowie das Interesse an Menschen, am Spiel und an neuen Situationen. Das Ergebnis ist weder eine Note noch ein bestandenes oder nicht bestandenes Examen. Es ist eine objektive Beschreibung der Persönlichkeit des Hundes zu diesem Zeitpunkt seines Lebens.

Und genau darin liegt der größte Unterschied zu vielen traditionellen Verhaltenstests: Das BPH versucht nicht, die Zukunft vorherzusagen. Es versucht, den Hund, der gerade vor ihm steht, so objektiv wie möglich zu beschreiben.

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