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Ausstellungsgrooming und klassische Linien
Der neue FCI-Standard 2024 … und das Ende einer ganzen Epoche 😄

Mit der Einführung des neuen FCI-Standards 2024 begannen viele Grooming-Techniken und Stilrichtungen, die jahrzehntelang als Höhepunkt der Hundepflegekunst galten, nach und nach zu verschwinden.

Die Idee der FCI ist dabei recht klar:

Eine Hundeausstellung soll in erster Linie eine Ausstellung von Hunden sein – und kein Wettbewerb zwischen Groomern.

Und ehrlich gesagt …

haben sie damit teilweise recht.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin,

verspüre ich persönlich trotzdem ein wenig Nostalgie. 😄

Denn hinter vielen klassischen Stilrichtungen steckten:

• unglaublich viel Arbeit

• technisches Können

• Präzision

• visuelle Harmonie

• und viele Jahre Erfahrung

(Eine ausführliche Analyse des Standards sowie der klassischen Schuren finden Sie bereits auf unserer Hauptseite.)

Ausstellungsgrooming ist reine optische Korrektur

Hier dient das Grooming nicht nur dazu, den Hund „schön aussehen zu lassen“.

Es wird eingesetzt, um:

• Proportionen optisch zu korrigieren

• Harmonie und Ausgewogenheit zu schaffen

• Vorzüge hervorzuheben

• kleine Schwächen weniger sichtbar zu machen

• den Blick des Betrachters gezielt zu lenken

Manchmal können schon wenige Zentimeter Fell die Wahrnehmung eines Hundes vollständig verändern. 😄

Hals

Durch gezieltes Grooming lässt sich:

• der Hals optisch verlängern

• der Kehlbereich offener wirken lassen

• mehr Eleganz erzeugen

• und der Eindruck eines leichteren und edleren Hundes vermitteln

Obere Linie (Rückenlinie)

Durch das richtige Volumen und fließende Übergänge lässt sich:

• eine schwächere Rückenlinie optisch ausgleichen

• eine stabilere und harmonischere Silhouette erzeugen

• oder die Proportionen und das Gleichgewicht des Körpers sichtbar verbessern

Brust und Körpertiefe

Das Fell kann genutzt werden, um:

• mehr Volumen zu erzeugen

• die Brust tiefer und ausgeprägter erscheinen zu lassen

• oder umgekehrt einen sehr kräftigen Hund optisch leichter und eleganter wirken zu lassen

Winkelungen

Hier verändert das Grooming buchstäblich die Art und Weise, wie das Auge die Bewegung und den Körperbau des Hundes wahrnimmt.

Das Fell kann:

• Winkelungen stärker betonen

• sie optisch abmildern

• oder sogar den Eindruck von Winkelungen erzeugen, die anatomisch gar nicht so ausgeprägt sind. 😄

Kopf und Ausdruck

Der Ausdruck eines Pudels wird in hohem Maße durch das Grooming beeinflusst.

Durch unterschiedliche Linienführungen und Formen kann der Hund wirken:

• eleganter

• freundlicher und liebenswerter

• ausdrucksstärker

• feiner und edler

• oder sogar optisch jünger. 😄

Rute und Gesamtharmonie

Selbst die Rute hat einen großen Einfluss auf die optische Balance des Hundes.

Je nach Volumen und Form kann der Hund:

• quadratischer wirken

• länger erscheinen

• ausgewogener wirken

• oder sich harmonischer in der Bewegung präsentieren

Ausstellungskosmetik – kleine Geheimnisse hinter einer sehr sorgfältig inszenierten „Natürlichkeit“ 😄

Hier eröffnet sich eine völlig eigene Welt.

Denn im Ausstellungsbereich gibt es spezielle Kosmetikprodukte, die entwickelt wurden, um:

• das Erscheinungsbild zu verbessern

• mehr Volumen zu erzeugen

• die Fellfarbe optisch zu korrigieren

• kleine Unvollkommenheiten zu kaschieren

• und den Hund im Ring besonders eindrucksvoll wirken zu lassen

Zum Einsatz kommen unter anderem:

• weiße Puder

• Kreideprodukte

• Textursprays

• Anti-Gelbstich-Produkte

• Fixiersprays

• Volumensprays

• und viele weitere kleine Geheimnisse der Ausstellungswelt 😄

Wundere dich also nicht, wenn ein weißer Ausstellungspudel aussieht, als würde er den ganzen Raum erhellen. 😄

Manchmal schaut man hin und denkt:

„Warum leuchtet dieser weiße Pudel wie ein neuer Kühlschrank?“ 😄

Die Antwort ist meistens keine Magie.

Der Groomer weiß einfach ganz genau, was er tut.

Ausstellungsgrooming lebt … bis der Hund beschließt, Wasser zu trinken 😄

Seit Schnurrhaare im Standard wieder erlaubt sind, hat das Ausstellungsgrooming einen neuen natürlichen Feind bekommen:

den Wassernapf. 😄

Denn ein perfekt vorbereitetes Grooming hält normalerweise genau bis:

• zum ersten Schluck Wasser

• zur ersten Feuchtigkeit

• zum ersten Spaziergang

• oder bis zu dem Moment, in dem der Hund sich daran erinnert, dass er eigentlich immer noch ein Hund ist. 😄

Und dann beginnt der wahre Kampf:

• Feuchtigkeit

• Speichel

• Regen

• Wind

• und die Schwerkraft. 😄

Was wird nun aus dem klassischen Ausstellungsgrooming?

Der moderne Standard bewegt sich ganz klar in Richtung:

• mehr Natürlichkeit

• weniger Übertreibung

• geringerer Abhängigkeit von extremem Grooming

Und wahrscheinlich ist das für viele Hunde eine positive Entwicklung.

Aber es gibt auch eine andere Seite der Geschichte.

Wenn das klassische, aufwendige Ausstellungsgrooming verschwindet,

könnte es sein, dass es in einigen Jahren kaum noch Groomer gibt, die folgende Schuren wirklich beherrschen:

• English Saddle

• klassischer Continental Clip

• komplexe Symmetrien

• traditionelle Linien mit hohem technischem Anspruch

Und ganz ehrlich …

das wäre schon ein wenig schade. 😄

Gleichzeitig halte ich es aber auch für durchaus möglich, dass eines Tages ein

japanischer oder koreanischer English Saddle Clip auftaucht. 😄

Und ehrlich gesagt …

bin ich mir nicht einmal sicher, ob ich das wirklich sehen möchte. 😄

Ohne das Ausstellungsgrooming gäbe es viele moderne Stilrichtungen wahrscheinlich gar nicht

Denn gerade das Ausstellungsgrooming hat Generationen von Groomern gelehrt,

wie man:

• Volumen versteht

• Linien erkennt und gestaltet

• mit Proportionen und Balance arbeitet

• Fellstruktur kontrolliert

• und Fell als visuelles Gestaltungsmittel nutzt

Viele moderne Techniken haben genau dort ihren Ursprung.

Deshalb gilt:

Auch wenn sich Standards verändern,

und auch wenn Grooming heute natürlicher wird …

ein wirklich guter Groomer vor einer Ausstellung wird wohl niemals überflüssig werden. 😄

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